Ökumenisches Forum Christlicher Frauen Europa (ÖFCFE)

Ecumenical Forum of European Christian Women (EFECW)
Forum Oecuménique de Femmes Chrétiennes d'Europe

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"Berlin ist eine Reise wert"
5. Ökologische Sommerschule des ÖFCFE,
Bereich Deutschland, vom 23. -  29 August 2009 in Woltersdorf

Etliche Projekte des ÖFCFE werden zu einer erfolgreichen Tradition.
Dazu gehört auch die Ökologische Sommerschule, die schon zum 5. Mal stattfindet. 15 Teilnehmende aus Belarus, Norwegen, Großbritannien, Kroatien und Deutschland fanden sich zusammen, um sich über ökologische Probleme in ihren Ländern und weltweit auszutauschen.

Es waren 15 Teilnehmende aus Belarus, Norwegen, Großbritannien, Kroatien und Deutschland anwesend.

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Ein Ausflug in den interkulturellen Garten Berlin-Köpenik, Brigitte Kanacher-Ataya stellt den interreligiösen Kräutergarten vor

Mit dem Thema „Vom Reden zum Handeln“ brachten wir die Dringlichkeit zum Ausdruck, mit der auf  breiter gesellschaftlicher Basis ein Umdenken stattfinden muss, um den Herausforderungen des Klimawandels und der Energiefrage wirksam begegnen zu können. Die Tage der Sommerschule haben uns ermutigt, als Christinnen  im Rahmen des Forums und in anderen Bezügen des Lebens unsere Schöpfungsverantwortung tatkräftig wahrzunehmen. Frauen, die auch an der letzten Sommerschule teilgenommen hatten berichteten, wie sie das dort Erfahrene anwenden konnten.
Die Tage waren geprägt durch vielseitige Begegnungen. Zwar waren die Bundestags-Abgeordneten  überall im Land im Wahlkampf, aber umso mehr hatten wir die Gelegenheit, namhafte Vertreterinnen und Vertreter der zahlreichen in Berlin angesiedelten   Nichtregierungsorganisationen  und ihr beeindruckendes Engagement kennen zu lernen:

- Antje von Broock vom BUND-Bundesverband, zuständig für internationale Klimapolitik, informierte umfassend und kompetent über die bisherigen und in Zukunft geplanten internationalen Vereinbarungen bis zur Konferenz in Kopenhagen. Die BUND-Forderung ist klar: Kosten und Risiken des Nichtstuns sind höher als Klimaschutzkosten. Das war eine gute Grundlage für alle unsere Gespräche.

- Im interkulturellen Wuhlegarten in Köpenick führte uns Gerda Münnich ein in die durch private Initiative entstandenen Gärten, die es, inzwischen von der Stadt Berlin gefördert, in vielen Stadtteilen gibt. Dadurch wird es besonders Migranten ermöglicht, mitten in der Stadt ein Stückchen Land so zu bewirtschaften, wie sie es von ihrem Herkunftsland gewohnt sind.  Individuell gepflegte Gartengrundstücke mit Gemüse, Salat und Blumen gestaltet, werden umrahmt von Flächen, auf denen interkulturelle Feste gefeiert werden können.
Eine  Andacht mit Magdalena Möbius von Evas Arche schloss sich an. Die Berliner ÖFCFE-Gruppe kooperiert mit Evas Arche und feiert dieses Jahr zum zweiten Mal einen „Schöpfungstag“ im Wuhlegarten.

- Eine Stadtführung unter Globalisierungsaspekten, die Vertreter der BUND-Jugend mit uns durchführten, eröffnete uns älteren Mitbürgern Einblicke in globale Verflechtungen und ungerechte Handelspartnerschaften. Eindrücklich bleibt, wer alles an der Herstellung eines Turnschuhs verdient und wie verschwindend gering dabei die Lohnkosten sind.
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- Unsere Freundin und Teilnehmerin Jutta Boysen referierte eingehend über die Zusammenhänge von Energie und Landwirtschaft  am Beispiel von Agrarkraftstoffen, oft verwirrender Weise als Biokraftstoffe bezeichnet. Denn oftmals geht der Anbau von Energiepflanzen auf Kosten von Flächen, die für die Nahrungsmittelproduktion der dortigen Bevölkerung gebraucht werden.

- Zwei junge Frauen, die sich in FIAN (Food First Information and Action Network) engagieren,  brachten uns durch einen Film zum Thema Hunger in der Welt und durch ihre Fachkenntnisse sehr anschaulich zum Bewusstsein, dass das Menschenrecht auf Nahrung noch lange nicht überall umgesetzt wird. Auch hier spielt die Abholzung von Regenwäldern zum Zwecke der Anpflanzung von Agrokraftstoffen eine Rolle. Damit wird die Lebensgrundlage ganzer Völker zerstört.

- Bei einem Gespräch im Umweltministerium mit  Michael Kracht, dem persönlichen Referenten der Staatssekretärin Astrid Klug, ging es unter anderem um die Verwendung von Atomenergie. Unser  Anliegen war, dass endlich der unselige Vertrag der IAEA, der internationalen Atomenergiebehörde, mit der WHO, der Weltgesundheitsorganisation, aufgehoben wird. Danach darf die WHO nur mit Genehmigung der IAEA Untersuchungsergebnisse veröffentlichen. Die Folge ist, dass viele die Atomenergie belastenden Fakten unter Verschluss bleiben. Eine Veröffentlichung würde schlagartig die Atompolitik weltweit verändern. Aufmerksame Beachtung fand die Broschüre „100 gute Gründe gegen die Atomkraft“ der EWS (Energiewerke Schönau) und es wurde beschlossen, die Möglichkeit der Übersetzung in andere Sprachen, insbesondere ins Russische zu erreichen.

- Außerdem lernten wir in dem Gespräch Christina Hering von der Klima-Allianz, einem Zusammenschluß zahlreicher Initiativen, kennen. Sie brachte das Thema ‚Neue Kohlekraftwerke’ vor. Durch lange Laufzeiten und starken CO2- Ausstoß dieser Kraftwerke werde der rasche Ausbau der Erneuerbaren Energien verhindert und der Klimawandel verzögert.
Insgesamt war beeindruckend und stimmte hoffnungsvoll, dass so viele Nichtregierungsorganisationen und Gruppierungen, besonders auch von jungen Menschen, auf ihrem jeweiligen Sektor an der Realisierung eines neuen Lebensstils arbeiten nach dem Motto: Anders, besser, weniger -  statt schneller, höher, mehr.
  
Auf der Grundlage der verschiedenen Beiträge und Programmpunkte  dachten wir über ökologische Leitlinien für das Forum Deutschland nach. Laut Mitgliederversammlung sollten sie vom Vorstand formuliert werden. Wir haben einen vorliegenden Vorschlag diskutiert und überarbeitet. Grundlage ist die  Selbstverpflichtung des deutschen Forums zur Schöpfungsverantwortung. Dorothy  Knights, eine der Co-Präsidentinnen des europäischen Forums und Teilnehmerin der Sommerschule, begrüßte das Vorhaben und brachte zum Ausdruck, dass sie sich eine Ausweitung der Selbstverpflichtung auf die europäische Ebene erhofft.

Zum guten Gelingen der 5. Sommerschule hat die Unterkunft im Begegnungs- und Bildungshaus des EC-Verbandes in Woltersdorf beigetragen. Die gemeinsamen Andachten am Abend wurden ökumenisch gestaltet. Der Schwerpunkt der  nicht immer leichten und umfangreichen Vorbereitungen lag bei Elisabeth Bücking. Finanziell konnten wir die Sommerschule leider nur veranstalten, weil wir weniger Frauen aus Osteuropa eingeladen haben, die  ja unsere freien Gäste sind. Alles ermöglicht haben in diesem Jahr dann eine Finanzierungszusage des GAW und großzügige Spenden von Gruppen und Einzelpersonen, dafür sind wir sehr dankbar. Erika Stöffler ist für die Finanzen verantwortlich, Beate Junker für den Abschlussbericht.

Dr. Elisabeth Bücking

 

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