Ökumenisches Forum Christlicher Frauen Europa (ÖFCFE)

Ecumenical Forum of European Christian Women (EFECW)
Forum Oecuménique de Femmes Chrétiennes d'Europe

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Mitgliederversammlung des
Ökumenischen Forums Christlicher Frauen in Europa - Bereich Deutschland am 6. -  7. Nov. 2009, Bonifatiushaus Fulda

6. - 7. November  2009 im Bonifatiushaus in Fulda - Mitgliederversammlung des ÖFCFE Deutschland

Unter dem Thema  Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt setzten sich die Teilnehmerinnen der Versammlung wieder einmal sehr intensiv mit dem Thema Bedrohung der Schöpfung durch Klimawandel und verantwortungsloses Wirtschaften auseinander.
Die Beschäftigung mit der Studie zum gleichen Thema machte allen Beteiligten noch einmal die Bedrohung deutlich, die auf uns alle zukommt, wenn wir nicht rasch und sehr konsequent umkehren. Es hat seinen guten Grund, dass das ÖFCFE das Thema Bewahrung der Schöpfung und nachhaltiges Wirtschaften auf seine Fahnen geschrieben und Selbstverpflichtungen dazu verabschiedet hat.

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Nicht alle Mitglieder der MV 2009 aber eine gut gelaunte Gruppe, zufrieden mit den Ergebnissen des Treffens

Die Mitgliederversammlung musste sich mit Bedauern von Susanne Kaeser und Eva Maria Erbskorn verabschieden. Sie verlassen den Vorstand des ÖFCFE, weil ihre "Dienstzeit" ausgelaufen ist.

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Verabschiedung von Eva Maria Erbskorn und Susanne Kaeser.
Waltraud Liekefett und Elisabeth Bücking, die Nationalkoordinatorinnen , danken den beiden für ihren engagierten Einsatz und die gute Zusammenarbeit.

 

Zukunftsfähiges Deutschland in einer globalisierten Welt

Das ist der Titel einer Studie, die EED, Brot für die Welt und der BUND 2008 herausgebracht haben, und in der "viele Themen bearbeitet werden, die für das FORUM im Rahmen seiner Selbstverpflichtungen eine Rolle spielen",
so Elisabeth Bücking in der Einladung zur MV.
Frau Annette Berger aus Wittenberg stellte diese Studie vor und Barbara Maubach beleuchtete kurz den Stellenwert, den sie in Zusammenhang mit anderen kirchlichen Verlautbarungen hat.
Die Studie beschreibt in bemerkenswerter Klarheit und detailliert alle Erkenntnisse, die anzeigen, woran die globale Entwicklung krankt. Sie zeigt auf, welche Bedrohung über den Klimawandel auf die Erde, besonders und zunächst auf die armen Länder des Südens zukommt aber auch auf Industrienationen, die den Zerstörungen infolge des Klimawandels als erste ausgeliefert sind. Sie fordert unmissverständlich notwendige politische Schritte ein, auch wenn es nicht so aussieht, als würden diese beim Klimagipfel in Kopenhagen umgesetzt werden.
Dazu gehören u.a.: die Umweltpolitik als Angelpunkt einer Weltinnenpolitik zu entwickeln, neue Abkommen zu treffen, welche die Länder des Südens schützen, Verpflichtungen einzugehen, die kontrolliert und bei Nicht – Befolgen mit Sanktionen belegt werden, globale Fonds auch für den Süden einzurichten, eine Umstrukturierung von Weltbank und IWF, damit ein weltweit partizipatorischer und transparenter Umgang mit Ressourcen und Verbrauch gewährleistet wird und Kosten auf die Verursacher von Schäden angemessen verteilt werden.

Die Studie beleuchtet alle Bereiche, vom ungerechten und verschwenderischen Umgang mit Wasser über bedrohliche Verkehrsentwicklungen und mangelhafte nachhaltige Nutzung alternativer Energien bis zur Produktion schädlicher und die Erde vermüllender Produkte und zeigt auf, wo existentielle und rasche Veränderungen notwendig sind. Dabei wird in erfreulicher  Weise auch politisch eindeutig Klartext gesprochen. Ein grundsätzlicher Kurswechsel wird angemahnt und deutlich wieder der Primat der Politik vor der Ökonomie eingefordert.
Im Hinblick auf solche Forderungen werden die Bedingungen klar benannt, die zu einem solchen Umbau der Gesellschaft gehören:
mehr gesellschaftliche  Teilhabe, eine grundsätzliche Revision der Arbeits – und Sozialpolitik; eine faires Teilen, u.U. ein völlig neues Verständnis von Arbeit, in dem Erwerbs – und Freiwilligenarbeit und andere Formen von Arbeit gleichermaßen gewürdigt werden; eine konsequente Regionalisierung des Wirtschaftens und eine Entschleunigung der Produktions- und Handelsprozesse. Zur Ermutigung wurden gleich viele, wenn auch kleine Beispiele alternativen Wirtschaftens mitgeliefert, die aufzeigen, dass es sehr wohl anders ginge – allerdings "sind die Machtverhältnisse nicht so.".
Bei aller politischen Klarheit und Eindeutigkeit, mit der die Studie konkrete Utopien aufzeigt – weit über sämtliche kirchlichen Verlautbarungen hinaus, die in den letzen 15 Jahren von den Kirchen zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung veröffentlicht wurden – blieb eine große Hilflosigkeit angesichts der realen politischen Machtverhältnisse hier bei uns und weltweit.

Was kann man von einer Kirche erwarten, die in einer Denkschrift zum "Unternehmerischen  Handeln in evangelischer Perspektive" (2008) sich voll auf den Boden kapitalistischen Wirtschaftens stellt, die gegebenen Verhältnisse als "soziale Marktwirtschaft" akzeptiert, ohne sie der mindesten kritischen systemanalyse zu unterziehen oder zukunftsweisende Alternativen zu entwickeln. Sie betet wie im Lehrbuch der freien Marktwirtschaft gegen jegliche Realität die Regeln des freien Marktes nach, so dass Franz Segbers sich genötigt sieht, sich in einem Artikel (im Freitag, 15.08.08) mit dem bösen Titel: Seid anständig und vermehrt das Kapital kritisch mit der Unternehmerdenkschrift auseinander zu setzen.
Zwar gibt es nach dieser höchst fragwürdigen Denkschrift 2009 noch ein Wort der EKD zur ökonomischen Krise, aus dem hervorgeht, dass die Schreiber auch die Studie Zukunftsfähiges Deutschland gelesen haben, aber die Unternehmerdenkschrift wird weder zurückgenommen noch revidiert.

Dennoch, die Studie ist von einer solchen Brisanz, dass in den Arbeitsgruppen ein Versuch unternommen wird, kleine konkrete Schritte zu bedenken, die über persönliches Handeln hinaus gesellschaftspolitische Veränderung in Richtung nachhaltige Entwicklung bewirken können. Trotz aller politischen Ohnmacht, die uns angesichts der realen ökonomischen und politischen Gegebenheiten zu lähmen droht, ist die Bedrohung so existentiell, dass Nichtstun sträflich ist. Die Gruppen befassten sich mit den Fragen, wie es möglich ist, Kirchen und Christen dazu zu gewinnen, sich auf den Weg der Umkehr zu begeben und alternativ zu denken und zu handeln. Die Kirchenmitglieder spiegeln den Gesamtdurchschnitt der bürgerlichen Gesellschaft wider, wie soll man diese Menschen bewegen? Und darüber hinaus: Wie können wir uns gesellschaftlich einmischen, denn ohne politischen Einfluss werden wir nichts bewegen. Und gibt es das: die Entkoppelung von Wachstum und gutem Wirtschaften, das allen Menschen Leben und Entfaltung ermöglicht?
Die Beschäftigung mit diesen Fragen hat über die theoretische Auseinadersetzung mit den Problemen auch einen Selbstverpflichtungscharakter. Wir wissen, dass es keine andere Lösung gibt, als zu versuchen, etwas zu tun –oder wir geben uns der Hoffnungslosigkeit preis. Das ist eigentlich der Verlust des Glaubens.

Barbara Maubach

 

 

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