Ökumenisches Forum Christlicher Frauen Europa (ÖFCFE)

Ecumenical Forum of European Christian Women (EFECW)
Forum Oecuménique de Femmes Chrétiennes d'Europe

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20.09. -  04.10.2009
5. Etappe des Egeria Pilgerweges in Serbien

Bericht Egeria Pilgerweg 2009 durch Serbien

In diesem Jahr führte der Egeria Pilgerweg durch Serbien, das erste orthodox geprägte Land auf der Route nach Jerusalem. Die Gruppe von 16 Frauen, darunter zwei Kroatinnen und eine Italienerin wurde von einer Pilgerschwester begleitet und mit reicher Gastfreundschaft von der lutherischen Gemeinde in Osijek/Kroatien empfangen und auf den Weg gesandt.

Auf seiner 5. Etappe führte der Egeria Weg vom 20. 9. - 4.10. 2009 durch Serbien, das erste orthodox geprägte Land auf dieser Route. 16 Frauen davon zwei Kroatinnen und eine Italienerin pilgerten auf dem Wegabschnitt, der durch die Vojvodina an der kroatisch-serbischen Grenze bis zum Eisernen Tor an der serbisch- rumänischen Grenze führte. Eine besondere "Pilgerschwester" begleitete uns die gesamte Strecke, wies uns den Weg und teilte mit uns auf stillen Wegen das Schweigen: Die Donau. Längst dieses europäischen Stromes, fanden wir gute naturnahe Wege zumeist auf den Deichkronen, mit einem weiten Blick in die Landschaft . Den größten Teil der Strecke konnten wir auf dem Europäischen Donauradweg, der gerade durch die GTZ ausgeschildert worden war, gehen. Hier lag uns zur Vorbereitung gutes Kartenmaterial und hilfreiche Informationen im Internet vor.

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Die Pilgergruppe mit den Gastgeberinnen des Ökumenisch – Humanitären Zentrums ( EHO ) in Novi Sad (Serbien)

Die organisatorische Vorbereitung mit dem ÖFCFE in Serbien gestaltete sich als schwierig. Im Frühjahr trat die dortige Nationalkoordinatorin von allen Ämtern zurück und wir verloren damit unsere langjährige Ansprechpartnerin. Kontakte gab es aber zu Einzelpersonen, die an der ökologischen Sommerschule 2005 in Novi Sad teilgenommen hatten. Dazu gehört Julia Gandhour Schal, die uns weitere Kontakte vermittelte u. a. zur designierten Nationalkoordinatorin Marijana aus Belgrad.

Durch Vermittlung der Forumsfreundin J. Kulenkampff konnten wir ein Sendschreiben vom Serbisch-Orthodoxen Patriarchen in Mitteleuropa (Sitz Hildesheim) erhalten, das uns bei der Kontaktsuche im Lande sehr hilfreich war.
Zur Vorbereitung dieser Etappe fand vom 28.-29. Juni 09 ein Vorbereitungstreffen in Nürnberg statt. Bei der Beschäftigung mit der geographisch-geschichtlichen und politischen Situation des Gastlandes konnten wir an die Vorerfahrungen aus Slowenien und Kroatien anknüpfen und das Bild, durch die Perspektiven aus serbischer Seite, ergänzen. Ein wichtiger Bezugspunkt war dabei die Tatsache, dass der Nato-Krieg gegen Serbien, der unter deutscher Beteiligung stattfand, sich gerade zum zehnten Male jährte.

Der Weg begann in Osijek/Kroatien, wo uns noch einmal die reiche Gastfreundschaft der dortigen lutherischen Gemeinde empfing. Gemeinsam mit Frauen aus dem kroatischen ÖFCFE gestalteten und feierten wir dort den Sendungsgottesdienst und übergaben die seit 2008 gesammelte Kollekte für das Frauenhaus von insgesamt 1.250 Euro.
Der anschließende Grenzübertritt nach Serbien gestaltet sich schwierig, da der avisierte Grenzübergang kurzfristig geschlossen war. So haben uns die Gemeindeglieder spontan mit ihren privaten PKWs über Vukovar zum nächsten offenen Grenzpunkt nach Ilok gebracht.

Der erste Pilgerweg durch Serbien führte durch die Vojvodina, einer autonomen Region innerhalb Serbiens. Durch zahlreiche Einwanderungswellen in den letzten Jahrhunderten ist die Region multiethnisch und multikonfessionell geprägt worden. Deutlich wurde uns diese Besonderheit beim Besuch des Ökumenisch- Humanitären Zentrums (EHO) in Novi Sad, der Hauptstadt der Vojvodina. Hier erwartete uns eine ökumenische Frauengruppe, der u.a. ungarisch reformierte, slowakisch lutherische, griechisch-katholische und methodistische Frauen angehören. Julia G. Schaal als Ökumenekoordinatorin des Zentrums führte uns anschließend durch die Einrichtung und erläuterte die diakonisch-soziale Arbeit im ökumenischen Verbund der 5 Trägerkirchen.

Im Dorf Futok wurden wir durch den dortigen katholischen Gemeindepfarrer begrüßt, der uns die Geschichte dieses von Deutschen Donauschwaben gegründeten Ortes erläuterte. Er zeigte uns die eindrucksvolle, große Kirche, die unlängst mit Hilfe der ehemaligen Futokern, die jetzt in Deutschland leben, saniert wurde.

In Belgrad konnten wir auf Vermittlung von Marijana Ajzenkol, einer Forumsfreundin und designierten Nationalkoordinatorin des serbischen Forums, im Konvent der Schwestern der Barmherzigkeit einkehren und von der Geschichte und Arbeit ihres Ordens erfahren. Ein Besuch der katholischen Gemeinde im Belgrader Stadtteil Zemun wurde spontan möglich. Am pilgerfreien Tag in Belgrad führte uns Marijana durch die Stadt. Durch ihr Engagement als Leiterin des interreligiösen Zentrums konnten wir das Erzbischöfliche Ordinariat besichtigen. Anschließend erhielten wir eine exklusive Führung in deutscher Sprache durch das serbisch-orthodoxe Patriarchat. Pater Rascha führte uns auch durch des orthodoxe Museum und die Kapelle des heiligen Synod und nahm sich viel Zeit unsere Fragen zu beantworten.

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Zu Gast im Orthodoxen Patriarchat mit dem Priester, der die Gruppe führt

Neben verabredeten Besuchen, haben sich spontan zahlreiche Begegnungen auf dem Weg ereignet. In Backa Palanka standen wir an der slowakisch-lutherischen Kirche und fanden sogleich Einlass zur Kirchenbesichtigung und einem Gespräch beim Kaffee. Die othodoxen Kirchen fanden wir meist offen vor und haben sie für Zeiten der Stille oder des Gesangs und zum Pilgereinstieg gern genutzt. Einem Vorschlag der III. Ökumenischen Versammlung 2007 in Sibiu folgend, jährlich in der Zeit zwischen dem Weltfriedenstag am 1.9 und dem Erntedankfest ein Schöpfungsgedenken zu halten, haben wir am 30.9. einen Schöpfungstag gefeiert. Meditative Stationen und Beobachtungsaufgaben in der Natur führten uns auf einen Weg der Achtsamkeit und durch eine Schule des Staunens, deren Einsichten wir untereinander austauschten.

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Pilgerandacht in einer kleinen orthodoxen Kapelle

Als Pilgerinnen-Gruppe gaben wir in der serbischen Landschaft ein sehr ungewohntes Bild. Touristen oder Radwanderer gibt es nur wenige, die entsprechende Infrastruktur entsteht gerade. Es passierte, dass wir freundlich angesprochen wurden - mitunter auch auf deutsch - und spontan zum Anstoßen auf eine Hochzeit oder auf einen Kaffee „genötigt“ wurden. Aber auch deutlich abfällige Reaktionen wurden uns entgegengebracht, was wir angesichts der Erinnerung an das Bombardement vor 10 Jahren zu verstehen versuchten.

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Pilgern an der Donau mit weiten ruhigen Ausblicken in die Landschaft

Das Geschenk der langen und einsamen Pilgerwege verband sich in diesem Jahr mit der nachhaltigen Erfahrung einer "vielbegabten" Gruppe. Sei es das auswendige Singen und Anleiten von Liedern, der umsichtige Einkauf und die Essensvorbereitung, die fachfraulichen Krankenpflegedienste, die kunsthistorischen und geschichtlichen Kenntnisse, die allen angesichts einer Kirche zuteil wurden oder die unermüdlichen Übersetzungsdienste unserer kroatischen Mitpilgerinnen. Die Charismen Einzelner flochten sich zusammen zu einem tragfähigen Gruppen-Netzwerk. Dieses konnten wir dankbar nutzen, als durch Krankheit zwei Mitglieder des Leitungsteams die Pilgerreise kurzfristig nicht antreten konnten.

Die Erfahrungen der vorhergehenden Pilgeretappen und unsere Visionen als Pilgerinnen haben wir in diesem Jahr in Pilgerregeln zusammengefasst. Beim Vorbereitungstreffen wurden sie als Entwurf durch das Leitungsteam vorgelegt und durch die Teilnehmenden abgestimmt. Sie dienen nun als hilfreiche Grundlage unseres Selbstverständnisses als Egeria-Pilgerinnen und Orientierung für neue Interessentinnen und Sesshafte Sympathisantinnen. Die Regeln und die Tagesstruktur des Egeria-Weges sind auf der Homepage, die seit Anfang diesen Jahres online ist, nachlesbar. www.egeria-project.eu

Am Ende des diesjährigen Egeria-Weges standen wir dankbar und erfüllt am Eisernen Tor, dem Donaudurchbruch, der Serbien von Rumänien trennt. Das Land für die nächste Etappe (Rumänien) vor Augen, bewahren wir unser Ziel Jerusalem im Herzen (Jeremia 51,50) und hoffen, dass uns der Weg vom Eisernen Tor zum Goldenen Tor (Tor in Jerusalems Stadtmauer) gesegnet sein wird.

Carola Ritter

Mehr zum Egeria – Pilgerweg über www.egeria-project.eu

 

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